16. April–11. Juni 2026
Filmabende mit Gesprächen (donnerstags)
Kuratiert von cinéma copains
16. April, 19 Uhr // Die Mit-Arbeiterin, Karlheinz Mund, DDR, 1972, in Anwesenheit des Filmemachers (de)
Der Film Die Mit-Arbeiterin des DDR-Filmemacher Karlheinz Mund porträtiert Elisabeth Hauptmann. Er zeigt sie als eine politisch engagierte Künstlerin, die in dem Theaterkollektiv aufgegangen ist, das unter dem Namen Brecht bekannt wurde.
Im Zuge seiner Recherchen zu diesem Film interviewte Karlheinz Mund auch Asja Lācis 1972 in ihrer Rigaer Wohnung. Bis auf wenige Minuten blieb der Rohschnitt der Filmaufnahmen mit Lācis unveröffentlicht und vergessen. Nun ist das Interview mit Lācis in der Ausstellung zu sehen.
Karlheinz Mund, geboren in Eberswalde, studierte an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Berlin sowie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg und realisierte zahlreiche Dokumentarfilme.
7. Mai, 19 Uhr // A Night of Knowing Nothing, Payal Kapadia, Dokumentarfilm, 2021 (hi/bn/en, en UT)
A Night of Knowing Nothing von Payal Kapadia ist ein preisgekrönter, essayistischer Dokumentarfilm, der fiktionale Liebesbriefe mit der Realität studentischen Widerstands in Indien verwebt. Die Handlung beginnt, als L., eine Filmstudentin, während eines Streiks am Film and Television Institute of India (FTII) Briefe an ihren entfremdeten Geliebten schreibt. Diese in Schwarz-Weiß gedrehten Aufnahmen, oft vermischt mit Archivmaterial und Handyvideos, thematisieren die Zunahme von Diskriminierung, Hindunationalismus und sozialen Ungerechtigkeiten unter der Regierung Modi.
Payal Kapadia, 1986 in Mumbai geboren und am Film and Television Institute of India ausgebildet, gilt als eine der prägenden Stimmen des zeitgenössischen Weltkinos. Ihre filmische Handschrift verbindet poetische Narrative mit politischem Widerstand. 2024 gewann sie mit ihrem zweiten Film »All We Imagine as Light« als erste indische Regisseurin den Großen Preis der Jury in Cannes.
21. Mai, 19 Uhr // Active Vocabulary, Yulia Lokshina, Dokumentarfilm, D, 2025 (de/ru, en UT), in Anwesenheit der Filmemacherin
In ihrem Dokumentarfilm Active Vocabulary setzt sich die in Moskau geborene, seit 1998 in Deutschland lebenden Regisseurin Yulia Lokshina mit der politischen Indoktrination an Schulen und dem Mut zum Widerstand auseinander.
Der Film folgt einer russischen Lehrerin, die im Unterricht den Einmarsch in die Ukraine kritisierte und daraufhin in Deutschland Asyl suchen musste. Der Film, der Schule als hochgradig politischen Raum beleuchtet, in dem Sprache sowohl als Instrument der Kontrolle als auch als Mittel der Emanzipation dient, wurde beim 68. DOK Leipzig mit der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet.
4. Juni, 20 Uhr // Māra (2014), Lācis’ Enkelin im Porträt, Krista Burane (lv, en UT), in Anwesenheit von Māra Ķimele
Die Regisseurin Krista Burāne entwirft in ihrem kreativen Dokumentarfilm Māra ein vielschichtiges Porträt der bedeutenden lettischen Theaterregisseurin Māra Ķimele. Der Film erkundet die Opfer und Entscheidungen einer Frau in der Kunstwelt und fokussiert sich dabei auf Ķimeles komplexe Beziehung zu ihrer dominanten Großmutter, der legendären Theatermacherin Anna Lācis (Asja Lācis), sowie zu ihrem Sohn.
Burāne verknüpft dokumentarische Beobachtungen während der Inszenierung von Dostojewskis Verbrechen und Strafen mit surrealen Elementen und Animationen – wie einem lebensbegleitenden Pferd. So entsteht eine Reflexion über die Grenze zwischen Realität und Kunst sowie den generationsübergreifenden Kampf um künstlerische und persönliche Freiheit im lettischen Kulturbetrieb.
Krista Burāne ist eine renommierte lettische Regisseurin, Drehbuchautorin und Künstlerin, die für ihre interdisziplinären und sozial engagierten Projekte bekannt ist. Sie studierte Philosophie und Visuelle Kommunikation und spezialisierte sich auf Dokumentarfilme, die oft die Grenzen zur Fiktion und zum Theater überschreiten. Zu ihren wichtigsten Werken zählen der Dokumentarfilm »Māra« (2014) sowie »The Fairytale of Empty Space« (2017). Burāne engagiert sich stark in der Partizipationskunst und nutzt den öffentlichen Raum für ihre Inszenierungen, um gesellschaftliche Dialoge anzustoßen. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach mit dem lettischen Filmpreis »Lielais Kristaps« ausgezeichnet. Sie gilt als eine der profiliertesten Stimmen des zeitgenössischen lettischen Kinos.
Māra Ķimele, geboren 1943, ist eine der einflussreichsten Theaterregisseurinnen Lettlands und eine prägende Figur der baltischen Avantgarde. Als Enkelin der berühmten Theaterregisseurin Anna/Asja Lācis wuchs sie in einem hochgradig intellektuellen Umfeld auf. Nach ihrem Regiestudium in Moskau prägte sie über Jahrzehnte das »Neue Rigaer Theater« (Jaunais Rīgas teātris) und das »Valmiera Theater«. Ihr Stil ist bekannt für seine psychologische Tiefe und radikale Interpretation klassischer Texte. Neben ihrer Arbeit als Regisseurin ist sie eine geschätzte Pädagogin an der Lettischen Kulturakademie, wo sie Generationen von Schauspieler*innen und Regisseur*innen ausbildete und die moderne lettische Theaterästhetik maßgeblich mitgestaltete.
11. Juni, 19 Uhr // SLET 1988 (2025) & YUGOSLAVIA. How Ideology Moved our Collective Body (2013), Marta Popivoda (scr, en UT), in Anwesenheit der Filmemacherin
In »SLET 1988« bewegt sich Sonja Vukićević (73) durch die Architektur des sozialistischen Modernismus, ihr Körper wird zum Archiv der letzten Massenperformance Jugoslawiens. Gesten und ein Tagebuch von 1988 zeichnen den Wandel von Kollektivismus zu Individualismus nach.
Der auf Recherchen und Archivmaterial beruhende Essayfilm »Yugoslavia, How Ideology Moved Our Collective Body« zeigt die persönliche Perspektive der Regisseurin Marta Popivoda auf die Geschichte des sozialistischen Jugoslawiens, auf sein dramatisches Ende: »Die Erfahrung der Auflösung des Staates und die ‚wilde‘ kapitalistische Wiederherstellung des Klassensystems in Serbien waren für mich Ausgangspunkt, anhand von Film- und Videomaterial nachzuzeichnen, wie sich ein soziales System mittels seiner eigenen Inszenierung im öffentlichen Raum verändert.« (Marta Popivoda)
»Yugoslavia, How Ideology Moved Our Collective Body ist ein beeindruckendes Beispiel des Denkens mit den Mitteln des Films, des Verwebens theoretischer Diskurse und ihrer Übertragung in filmische Sprache.« (Clarissa Thieme)