Öffentliches Programm
Mittwoch, 30.09.2026, 18:30 Uhr
Informationsfreiheit in Gefahr – Über das Recht zu fragen und die Pflicht zu antworten
Gespräch mit Melek Bazğan (FragDenStaat) & Jacob Svaneeng, moderiert von Lisa Deml
Informationsfreiheit ist ein demokratisches Instrument zur Kontrolle politischer Prozesse. Seit 20 Jahren ermöglicht das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) Einblick in staatliches Handeln – es formuliert das zivilgesellschaftliche Recht zu fragen und die behördliche Pflicht zu antworten. Damit trägt es dazu bei, Korruption und Machtmissbrauch aufzudecken und Transparenz und Teilhabe zu stärken.
Doch dieses Recht steht zunehmend unter Druck. In Berlin wurde das Informationsfreiheitsgesetz im Frühjahr 2026 durch weitreichende Ausnahmen bereits ausgehöhlt. Auch auf Bundesebene ist das IFG in Gefahr: Die von der Bundesregierung geplante Reform würde den freien Zugang zu staatlichen Informationen stark beschränken und damit in die Freiheit von Presse, Wissenschaft und Kultur eingreifen. Noch sind diese Pläne nicht Gesetz.
Wie das Recht auf Information in Arbeit und Alltag eingesetzt und durchgesetzt werden kann, diskutieren wir mit Melek Bazğan, Juniorreferentin für Demokratie bei FragDenStaat, und Jacob Svaneeng, mit langjähriger Erfahrung in der Berliner Kulturverwaltung. Im Zuge des Skandals um die rechtswidrige Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus und der Debatte um den Umgang mit palästinasolidarischen Stimmen nutzte Svaneeng das IFG, um politische Einflussnahme und Lobbyaktivitäten im Kultur- und Bildungsbereich zu recherchieren. Gemeinsam sprechen wir darüber, welche Folgen die Einschränkung des Zugangs zu öffentlichem Wissen hätte und wie Informationsfreiheit gegenüber autoritären Bestrebungen verteidigt werden kann.
Das Gespräch findet auf Deutsch statt.
Bios:
Melek Bazğan ist Juniorreferentin für Demokratie bei FragDenStaat.
Jacob Svaneeng hat im Auftrag der Berliner Kulturverwaltung große Kultur- und Bildungsprojekte initiiert und geleitet, in Zusammenarbeit mit weiteren Verwaltungen und Ministerien. Für diese Arbeit wurde er mit dem 1. Platz des Berliner Verwaltungspreises ausgezeichnet. Im Zuge des Skandals um die vom Rechnungshof als rechtswidrig eingestufte Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus und der Debatte um den Umgang mit palästinasolidarischen Stimmen hat er das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) genutzt, um politische Einflussnahme und Lobbyaktivitäten im Kultur- und Bildungsbereich zu recherchieren.
Freitag, 02.10.2026, 10:00-12:30 Uhr
Ich würde euch gerne folgen
Workshop für kulturelle Institutionen und Initiativen von Víctor Fancelli Capdevila
Viele Menschen kehren Instagram, Facebook, TikTok, X & Co. den Rücken und ziehen ins Fediverse – ein dezentrales soziales Netzwerk, in dem Nutzer:innen mehr Kontrolle über ihre Inhalte haben und das einen Gegenentwurf zum extraktivistischen Geschäftsmodell von Big Tech darstellt.
Das Fediverse ist mittlerweile ziemlich erwachsen geworden, aber etwas fehlt noch: Institutionen und Initiativen aus dem Bereich Kunst und Kultur sind dort bisher kaum vertreten. Viele würden gern mitmachen, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen – oder fürchten noch einen weiteren Social-Media-Kanal, der gepflegt werden will.
Dieser Workshop richtet sich an kulturelle Institutionen und Initiativen, die ihre Inhalte zugänglich machen wollen, ohne ihr Publikum an kommerzielle Plattformen zu binden. Gemeinsam erkunden wir das Fediverse und geben praktische Tipps für den Umzug – von der Einrichtung eines Accounts bis zur Veröffentlichung eines Posts.
Der Workshop ist Teil der Kampagnen #publicactivityactivitypub, #wirziehenzusammenum und #+1, die Institutionen und Kollektive dabei unterstützen, gemeinsam den Schritt ins Fediverse zu wagen.
Keine Vorkenntnisse nötig, lediglich ein bisschen Neugierde. Wenn möglich, bring einen Laptop, ein Tablet oder Smartphone mit und melde dich an unter workshop@aftermemory.net
Der Workshop findet je nach Bedarf auf Deutsch oder Englisch statt.
Víctor Fancelli Capdevila [any] arbeitet als Digitalkurator im Projekt Digitale Souveränität für Kunsthochschulen. Zuvor war er als Digital Archivist am Open Resource Centre (ORC) in Karlsruhe, dem Universitätsarchiv des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe tätig. Er organisiert gerne Workshops und Diskussionen zum Thema autonome Digitalität und gehört zum Organisationsteam von Sobtec, dem Congrés de Sobirania Tecnològica in Barcelona. Außerdem steht hinterKeep Karlsruhe Boring.org und PublicActivityActivityPub.net.
Freitag, 02.10.2026, 18 Uhr
Kuratorische Führung DE
Samstag, 03.10.2026, 19 Uhr
A Prelude to Drylands
Thiago Leiros Costa & Pedro Oliveira
Eine Meditation über ökologische Endlichkeit und politischen Zusammenbruch. Eine klangliche und affektive Kartierung von Trockenheit über Kontinente hinweg, die mediterrane Lebensräume mit der langen Geschichte der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen in den Amerikas verbindet. Die Performance verknüpft den gemeinsamen Hintergrund der Künstler in den ariden Biomen Brasiliens, wie dem Cerrado und der Caatinga, mit den zunehmend trockener werdenden Landschaften Süd- und Mitteleuropas und interpretiert die ästhetischen Traditionen dieser brasilianischen Trockengebiete Brasiliens als lebendiges Vokabular neu mit einer Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten, Feldaufnahmen und Stimmen.
Das Gespräch findet auf Englisch statt.
Foto: Andrea Piramidal
Bios:
Thiago Leiros Costa ist Künstler, Psychologe, Neurowissenschaftler und Pädagoge und lebt in Mailand. Geboren an der Nordostküste Brasiliens, bewegt sich seine Praxis zwischen künstlerischer, psychologischer und wissenschaftlicher Forschung und entwickelt daraus unterschiedliche performative und konzeptuelle Ausdrucksformen. Als Forscher und Dozent am Politecnico di Milano und an der Universität Milano-Bicocca beschäftigt er sich mit Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und der Psychologie der Kunst. Als Musiker verbindet Costa Stimme, klassische und präparierte Saiteninstrumente sowie Elektronik mit Einflüssen aus lateinamerikanischen Folk-Traditionen, überlieferten Gitarrenpraktiken der Amerikas, freier Improvisation, Sound Design, Noise und Pauline Oliveros’ Deep Listening. Als Pädagoge und Performer verbindet er wissenschaftliche und künstlerische Praktiken und fördert zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit normativen institutionellen Strukturen.
Pedro Oliveira ist Forscher und Klangkünstler und arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Installation und poetisch-theoretischem Schreiben. In seiner Arbeit untersucht er, wie das Zuhören Beziehungen zwischen Identität und Differenz innerhalb technologischer Infrastrukturen neu ordnen kann, insbesondere im Zusammenhang mit Migrationsgeschichten. Derzeit ist er Teil der Gastfakultät für Sound Studies and Sonic Arts an der Universität der Künste Berlin, wo er auch promoviert hat.
Sonntag, 04.10.2026, 12 Uhr
Kuratorische Führung CAST
Sonntag, 04.10.2026, 16 Uhr
Kuratorische Führung EN
Sonntag, 11.10.2026, 15 Uhr
To Begin Here
Zusammenkunft mit Maria Thereza Alves, moderiert von Nathalia Lavigne
Lasst uns zusammenkommen, nach draußen gehen und uns etwas Zeit nehmen, um uns umzuschauen. Lasst uns diesen Ort kennenlernen und darauf warten, dass er sich uns vorstellt. Damit wir beginnen können, ganz an diesem Ort zu sein. Hier werden wir gemeinsam Tee trinken und Kekse essen.
Tee und Gebäck werden bereitgestellt. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung drinnen statt.
Das Gespräch findet auf Englisch statt.
Bild: Maria Thereza Alves, On the Need of Remembering Here before the Onslaught of There Began, 2022. Foto: Nick Ash. Courtesy der Künstlerin und der Galerie Michel Rein.
Bio:
Maria Thereza Alves war an zahlreichen bedeutenden internationalen Ausstellungen beteiligt, darunter die documenta fifteen und die documenta 13 sowie die Biennalen von Sydney, Toronto, Sharjah, São Paulo, Lagos und Helsinki und die Klima Biennale Wien. Von 2016 bis 2018 wurde sie mit dem Vera List Center Prize for Art and Politics ausgezeichnet. Zu ihren jüngsten Publikationen zählen Seeds of Change (2023) und Thieves and Murderers in Naples (2020).